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Treffpunkt Mediennachwuchs, 5.-7. Mai 2008
Lebst du noch oder bloggst du schon?
Von Tina Höch
Nackt ist man nicht nur in der „Bravo“, sondern auch im Internet. So lässt sich kurz und knapp zusammenfassen, was viele nicht wissen und dennoch unanfechtbare Tatsache ist. Exhibitionismus im Netz. Nur eines von vielen Themen, über das auf dem Medientreffpunkt Mitteldeutschland heiß diskutiert wurde.
Wie schreibe ich ein Drehbuch? Wie sieht das Radio der Zukunft aus? Und welcher ist der goldene Weg, im Journalismus Fuß zu fassen? Fragen über Fragen – gern beantwortet von kompetenten Ansprechpartnern aus Rundfunk, Fernsehen und Verlagswesen.
Über die Qualität des gegenwärtigen Fernsehprogramms scheiden sich bekanntlich die Geister. Während ein nicht zu unterschätzender Teil der Zuschauer von Castingsshows, flachem Humor und anderen geistig weniger anspruchsvollen Sendungen entzückt ist, schüttelt das andere Lager über die zunehmende Kommerzialisierung nur ablehnend den Kopf. Vertreibt die Flimmerkiste gute alte Kultur?
Kultur, was ist das überhaupt?
Kultur, was ist das überhaupt? Ein überaus dehnbarer Begriff, wo fängt sie an, wo hört sie auf? Keine hitzigen Streitgespräche, stattdessen sachliche Meinungen, teils sehr konträr, gab es auf der Podiumsdiskussion ‚Kultur im Fernsehen – wie viel verträgt der Markt?’.
„Wer eine Sendung ansieht, darf dabei keinesfalls dümmer werden“, so die direkte Aussage von Dr. Matthias Esche (Bavaria Film). „Ein gewisser qualitativer Anspruch muss einfach vorhanden sein“, wie es auch Dr. Günter Struve von der ARD auf den Punkt bringt. Und in der Tat hat sein Sender den Ruf seriöser Berichterstattung inne. Bruce Darnell stolzierte wahrlich nicht lange über die, mit öffentlichen Geldern polierten, Bildschirme. Auch der landläufige Tenor geht dahin, den Boulevardjournalismus weitgehend vom Ersten (und Zweiten) fernzuhalten.
Dennoch ist es unumgänglich, große Zuschauerzahlen zu erreichen. Eine direkte, mit Ironie verfeinerte, Aussage liefert Frank Hoffmann (VOX): „Aus Angst vor dem Tod werden die Öffentlich-Rechtlichen irgendwann Selbstmord begehen.“
Verlassen wir einmal diese unschöne Debatte über Todsein oder nicht Todsein und wenden uns lebendigeren Dingen zu. Zum Beispiel dem Web 2.0. Es boomt! Wer heute nicht weiß, was ein Blogger oder gar das SchülerVZ ist, manövriert sich ins Abseits unter Jugendlichen. Jeder kann schreiben, was ihm persönlich am Herzen liegt, Lehrer bewerten, Partyfotos vom letzten Wochenende in Sekunden einem Millionenpublikum zugänglich machen… - ja, die Liste scheint unendlich.
Exhibitionismus im Netz
Aufzuklären über diese Thematik von zentraler Bedeutung war das Anliegen der Podiumsteilnehmer „Exhibitionismus im Netz“. Datenmissbrauch und öffentliche Entblößung sind heute an der Tagesordnung, wenigen ist diese Gefahr bewusst. Erst vor einigen Monaten arg in der Kritik: StudiVZ.
Stellvertretend für die junge Plattform (zu der auch Schüler- und MeinVZ zählen) war Philipp Gröschel anwesend. Als Schutzbeauftragter machte er den Unternehmensstandpunkt klar: „Nein, wir verkaufen keine Daten und haben das auch nie getan.“ Das große Problem sei nicht etwa das Einsehen der persönlichen Daten. Es gehe eher darum, wer das tut! Neue Sichtbarkeitsregelungen sollen dem Ganzen Einheit gebieten, so Gröschel. Nötig wäre es, stoßen doch täglich 10000 Neue zu den größten öffentlichen Hörsälen und Klassenzimmern hinzu. 55-60% von ihnen loggen sich täglich mindestens einmal ein. Die neuen Medien haben Einzug in nahezu jedes Haus gehalten. Selbst Opa klimpert unbeholfen auf der Computertastatur und seine Frau spielt nach der Telenovela munter Tetris. Einer Neuerung stehe grundsätzlich nicht im Wege, „die moderne Technik kann und soll [jedoch] nicht die örtliche Oper um die Ecke bringen.“ (Dr. Günter Struve)
Ein kleiner Auszug aus einer Vielzahl von interessanten Veranstaltungen zum Medientreffpunkt 2008. Viele waren da, Jung und Alt. Profijournalist und blutiger Anfänger. Nicht nur informieren, sondern auch den Kontakt zueinander herstellen, den Einstieg in die Berufswelt erleichtern. Hübsch formulierte Ziele. Teilweise von Erfolg gekrönt, dennoch mutete die Situation so an, als sei eine gewisse Hemmschwelle vorhanden. Motivation genug, dies beim nächsten Mal noch zu verbessern!